Donnerstag, 23. Juni 2011

Abkühlen und Anwärmen – wie Sie mit Komplimenten eine solide und respektvolle Gesprächsbasis aufbauen

Komplimente haben einen sehr schlechten Ruf. Sie werden gerne mit Schmeicheleien verwechselt, und damit kann man schließlich anderen Menschen Dinge abschmeicheln, die sie ansonsten lieber behalten hätten...

Seien Sie versichert, Komplimente als lösungsfokussierte Technik, werden vom Coach nur in positiver Absicht verwendet und haben entsprechend die Wirkung, auf tatsächlich vorhandene Ressourcen des Coachees aufmerksam zu machen, damit dieser die Möglichkeit erhält, sie in seinem Sinn einzusetzen. Sie stellen ein unmittelbares Feedback an den Coachee dar, sobald eine Ressource offenbar wird – zuerst nur dem Coach, der darauf trainiert ist, Ressourcen zu erkennen, und durch das Feedback/das Kompliment dann auch dem Coachee, der die Ressource als Ressource bisher nicht wahrgenommen hat. Das werden Sie schnell selbst feststellen, wenn Sie sich die folgende Liste der Kompliment-Varianten genauer ansehen! Vielleicht fallen Ihnen ja auch noch weitere ein?

-         Lob: Wie fühlen Sie sich bei dem Gedanken, jemanden zu loben? Und wie fühlt es sich an, gelobt zu werden? Lobt „der Falsche“, dann scheint im Lob versteckt häufig eine Hierarchie mitzuschwingen: Der Lobende maßt sich an, den Gelobten zu bewerten, stellt sich also über ihn.
Denken Sie daran, dass im Verhältnis Coach-Coachee der Coachee immer „versucht“ sein wird, Sie als Fachfrau anzusehen, als „Führung“. Also müssen Sie als Coach das Lob ein wenig anders formulieren, Sie müssen „auf Augenhöhe loben“. Wie das geht? Sie können es sich leisten, sich auch einmal kleiner zu machen. Das stärkt Ihren Coachee und erleichtert das arbeiten auf Augenhöhe. Ganz banales Beispiel: Die Coachee trägt einen schönen Schal – dann sagen Sie: „Also Ihr Auge für schöne Accessoires hätte ich auch gerne!“ Bleiben Sie dabei aber unbedingt ehrlich: Loben Sie nur, wenn Ihnen der Schal wirklich gefällt!
Ich habe absichtlich dieses „Modethema“ gewählt. Komplimente haben nicht nur die Aufgabe, auf Ressourcen hinzuweisen, sie können, wie das Beispiel oben, auch sehr gut eingesetzt werden, um eine entspannte und vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Dazu können Sie alles verwenden, was Ihnen an der Coachee und ihrem Verhalten positiv auffällt.
„Loben von unten“ lässt sich überall üben. So musste ich mir kürzlich eine Information von einer 0800-Nummer abholen. Ich erhielt die benötigte Information wirklich, und konnte dann weiterarbeiten. Ich hätte der Call Center Agent einfach „Danke“ sagen können, ich sagte aber “Vielen Dank, Sie haben mir gerade sehr geholfen!“. Stellen Sie sich vor, Sie wären die Call Center Agent und lassen nun einmal beide Varianten auf sich einwirken! Bemerken Sie einen Unterschied (der einen Unterschied macht)?

Die weiteren Varianten von Komplimenten demnächst:

-         Staunen,
-         Coping-Fragen,
-         Normalisieren,
-         Zeichen der Bewunderung,
-         Nicken,
-  Wiederholen (Nachsprechen) besonders ressourcenvoller Bemerkungen des Coachees

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