Dienstag, 22. März 2011

So böse!

Böse? Böse, das sind sie, die Coachs und Trainer, die keine Zeit für die Problemschilderungen ihrer Coachees und Trainees haben. Die, kaum hat ihr Gegenüber zu einer ausführlichen Problembeschreibung angesetzt, mit der Frage unterbrechen: "Was soll denn stattdessen sein?"

Das ist doch überhaupt nicht wertschätzend!

Ist das so? Was bedeutet denn Wertschätzung in diesem speziellen Fall? Bedeutet es, gegen aktuelle  Ergebnisse der Hirnforschung, den Coachee seine "Problembahnungen" weiter fleißig zu Schnellstraßen auszubauen, von denen es keine Abfahrt in Richtung (Auf-)Lösung gibt?

Bedeutet Wertschätzung, im Geschäftsverhältnis zwischen Kunden und Dienstleister den Kunden zu bezahlende Arbeitszeit des Coachs damit aufbrauchen zu lassen, den Zustand zu beschreiben, der verändert werden soll? Statt dieselbe Zeit zu nutzen, an der Lösung zu arbeiten?

Ist das noch Wertschätzung des Kunden, oder ist das nicht vielmehr Wertschätzung des Problems? Auf Kosten des Kunden, der doch nur eins will: Das Problem loswerden. Und möglicherweise ist es auch Wertschätzung des Geldbeutels des Coachs. Denn redet man sich erst mal so schön in das Problem hinein, findet sich darin alsbald ein zweites, drittes - ja, ein unendlicher Regress auf Probleme, die Probleme verursachen, beginnt. Für den Coach eine sichere Einnahmequelle...

Was man im Problem nicht finden wird, ist die Lösung. Darum so schnell wie möglich eine Kehrtwende einleiten, weg vom Problem, hin zu einer Lösung, mit der Frage: "Was könnte stattdessen sein?" Und jetzt: Zuhören! Aufmerksam, wertschätzend, mit gespitzten Ohren! Denn...

Zuhören ist Wertschätzung.

Und ZUHÖREN ist nicht synonym mit REDENLASSEN.

Sonntag, 6. März 2011

Ideenkontamination – Erstkontakt mit einem neuen Prinzip

Vor etwa 10 Jahren pendelte ich jeden Morgen mit drei Freunden gut eine Stunde zur Arbeit. Dabei unterhielten wir uns immer recht angeregt – für die anderen Reisenden müssen wir eine echte Plage gewesen sein.

Eines Morgens nutzte ich die Zeit, um mal wieder über meinen damaligen Job zu jammern. Als ich so richtig in Fahrt gekommen war, überreichte mir einer meiner Freunde ein Kärtchen. Ich las den Text darauf – und musste lachen. Das Job-Problem war auf einmal ziemlich unwichtig geworden, und wir konnten uns wieder über interessantere Dinge unterhalten. Der Arbeitstag startete unter einem wesentlich besseren Stern, als hätte ich mich bis zum Fahrtende in meine Probleme so richtig hineingeredet…

Was stand auf dem Kärtchen? Ganz einfach Folgendes:

„Ihre Geschichte hat mich sehr gerührt. Niemals zuvor habe ich jemanden getroffen, der mehr Sorgen und Leid hatte als Sie. Nehmen Sie diese Karte als den Beweis meiner aufrichtigen Anteilnahme entgegen.“

Ich weiß nicht, woher dieser Text stammt, ich würde ihn in der provokativen Therapie nach Frank Farrelly ansiedeln.* Auf jeden Fall aber hat mir diese Episode zwei wichtigen Lehren erteilt:

1) Es ist manchmal sehr erleichternd, einfach über sich selbst zu lachen.

2) Wenn man aufhört, sich mit dem Problem zu beschäftigen, kann man sich mit der Lösung (oder wenigstens mit Lösendem) beschäftigen.

Beide „Lehren“ haben mich für die lösungsfokussierte Beratung gut vorbereitet. So gut, dass ich nicht einmal nachvollziehen kann, wenn andere Berater und Coaches fürchten, mit der Abwendung vom Problem und mit dem Unterbrechen des Coachees, sobald er über das Problem zu reden beginnt, würde man den Coachee weniger würdigen, ihn nicht genug wertschätzen. 

Nach allem, was man heute über die Funktionsweise des Gehirns weiß, ist genau das Gegenteil der Fall – und jemandem in der Beratung ausführlich Gelegenheit zu geben, sein Problem zu beschreiben und auszuforschen, ist nach diesen Erkenntnissen sogar zum Schaden des Coachees.

Dazu demnächst mehr…

*den, der weiß, woher dieser Text stammt, bitte ich um Aufklärung :-)